Der Aufguss ist eine der ältesten Zubereitungsformen des Fliegenpilzes. Über den Grund, warum er als bekömmlicher gilt, kursiert allerdings eine Erklärung, die so nicht stimmt — dazu gleich mehr.
Die Chemie hinter dem Tee
Beide Wirkstoffe sind wasserlöslich. Genau das ist der Punkt, an dem die verbreitete Erklärung kippt: Die Vorstellung, der Tee löse gezielt Muscimol heraus und lasse die Ibotensäure im Pilzmaterial zurück, trägt nicht. Messungen zeigen im Gegenteil, dass beim Kochen oder Einweichen sowohl Ibotensäure als auch Muscimol weitgehend ins Wasser übergehen. Wer den Aufguss trinkt, nimmt also beides auf — das Pilzmaterial zurückzulassen entzieht dem Getränk nichts.
Was beim Erhitzen tatsächlich passiert, ist etwas anderes: Ibotensäure decarboxyliert unter Wärme teilweise zu Muscimol, und dieser Anteil steigt mit Temperatur und Einwirkzeit. Vollständig ist die Umwandlung auch hier nicht. Der zweite Unterschied zum Pulver liegt schlicht darin, dass eine Flüssigkeit anders aufgenommen wird als geschlucktes Pilzmaterial. Mehr zur Chemie unter Fliegenpilz trocknen.
Woher diese Zahlen stammen: Die Mengenangaben in diesem Beitrag kommen aus Erfahrungsberichten von Anwendern, nicht aus klinischen Studien. Eine belastbare, geprüfte Dosisempfehlung gibt es für Amanita muscaria nicht — der Wirkstoffgehalt schwankt zudem von Pilz zu Pilz erheblich. Die Angaben dokumentieren, was berichtet wird; sie sind keine Anleitung.
Grundrezept: Fliegenpilz-Tee
Zutaten
- 0,5–2 Gramm getrockneter Fliegenpilz (je nach gewünschter Intensität)
- 200–250 ml Wasser
- Optional: Zitronensaft (erhöht die Löslichkeit), Ingwer (gegen Übelkeit), Honig
Zubereitung
- Getrockneten Pilz fein zerkleinern oder mahlen
- Wasser auf 70–80°C erhitzen (nicht kochen — das zerstört Muscimol)
- Pilz ins Wasser geben und 15–20 Minuten ziehen lassen
- Durch ein feines Sieb filtern
- Optional Zitronensaft, Ingwer oder Honig hinzufügen
- In kleinen Schlucken trinken
Vorteile des Tees gegenüber direktem Konsum
- Weniger Übelkeit durch Filterung des Pilzmaterials
- Schnellerer Wirkungseintritt (Flüssigkeit wird schneller resorbiert)
- Dosierung durch Verdünnung besser kontrollierbar
- Angenehmer im Geschmack (besonders mit Honig/Ingwer)
⚠️ Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken. Der Konsum von Fliegenpilzen birgt gesundheitliche Risiken. Bitte konsultiere den Disclaimer dieser Website.
Quellen
- Tsunoda K., Inoue N., Aoyagi Y., Sugahara T.: Change in Ibotenic Acid and Muscimol Contents in Amanita muscaria during Drying, Storing or Cooking. Food Hygiene and Safety Science 34(2), 1993.
- Rivera-Illanes D., Recabarren-Gajardo G.: Classics in Chemical Neuroscience: Muscimol. ACS Chemical Neuroscience 15(18), 2024, S. 3257–3269.
- Stoeva-Grigorova S., Yarabanova I., Radeva-Ilieva M., Ivanova D.: Acute Amanita muscaria Toxicity: A Literature Review and Two Case Reports in Elderly Spouses Following Home Preparation. Toxins 17(12), 2025.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Fliegenpilzgift: Gesundheitliche Risiken muscimolhaltiger „Fruchtgummis“. Mitteilung 021/2025 vom 27.06.2025.
- Ordak M.: Amanita muscaria in the evolving novel psychoactive substances landscape — toxicological risks and clinical implications: a narrative review. Frontiers in Pharmacology 17, 2026.
