Fliegenpilz Vergiftung: Symptome, Risiken und was zu tun ist

Der Fliegenpilz verläuft bei Erwachsenen selten tödlich — er gehört nicht in dieselbe Kategorie wie der Grüne Knollenblätterpilz. „Selten“ heißt aber nicht „nie“: In der Fachliteratur ist ein Todesfall dokumentiert, bei dem ein 44-jähriger Mann rund zehn Stunden nach dem Verzehr von vier bis fünf getrockneten Hüten einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitt und neun Tage später starb. Schwere Verläufe mit Intubation und Beatmung sind ebenfalls beschrieben. Dieser Beitrag erklärt Symptome, Risikofaktoren und das richtige Vorgehen im Notfall.

Die Wirkstoffe und ihre Toxizität

Der Fliegenpilz enthält hauptsächlich Ibotensäure und Muscimol. Ibotensäure ist neurotoxisch (NMDA-Agonist) und verantwortlich für unangenehme Vergiftungssymptome. Muscimol dagegen ist deutlich weniger toxisch und verantwortlich für die psychoaktive Wirkung.

Beim Trocknen wandelt sich ein Teil der Ibotensäure durch Decarboxylierung in Muscimol um. Diese Umwandlung ist allerdings unvollständig und schwankt stark mit Temperatur und Bedingungen — auch getrocknetes Material enthält weiterhin Ibotensäure. Getrocknete Pilze gelten deshalb zwar als besser verträglich als rohe, aber nicht als unbedenklich oder gut kalkulierbar; Einzelheiten unter Fliegenpilz trocknen.

Typische Vergiftungssymptome

Symptome treten meist nach 30–90 Minuten auf:

  • Übelkeit und Erbrechen (besonders bei rohem/unzureichend getrocknetem Pilz)
  • Schwindel und Koordinationsprobleme
  • Übermäßiger Speichelfluss
  • Starkes Schwitzen
  • Verwirrung und Desorientiertheit
  • In schweren Fällen: Halluzinationen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit

Risikogruppen

Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit Lebererkrankungen. Für gesunde Erwachsene ist eine Vergiftung durch den Fliegenpilz selten lebensbedrohlich — aber nie harmlos.

Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?

Bei akuter Lebensgefahr — Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot — zuerst den Notruf 112.

Bei einem Vergiftungsverdacht ohne akute Lebensgefahr berät eine Giftinformationszentrale — rund um die Uhr, kostenlos und ausdrücklich auch Laien. Die meisten sind über das bundesweite Muster Ortsvorwahl + 19240 erreichbar:

  • Berlin: 030 19240 (zuständig für Berlin und Brandenburg)
  • Bonn: 0228 19240 · Göttingen: 0551 19240
  • Freiburg: 0761 19240 · Mainz: 06131 19240
  • Homburg/Saar: 06841 19240 · Erfurt: 0361 730730

Die vollständige Übersicht führt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

  • Pilzreste oder ein Foto aufbewahren — das erleichtert die Identifikation erheblich
  • Kein Erbrechen erzwingen ohne ärztliche Anweisung
  • Die betroffene Person nicht allein lassen
  • Bei Verschlechterung sofort den Notarzt rufen

Quellen

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