Fliegenpilz, Königsfliegenpilz, Pantherpilz: Die drei Amanita im Vergleich

Die drei eng verwandten Pilze Fliegenpilz (Amanita muscaria), Königsfliegenpilz (Amanita regalis) und Pantherpilz (Amanita pantherina) werden oft verwechselt – mit teils schwerwiegenden Folgen. Hier ist ein klarer Überblick über die Unterschiede. Die Grundlagen zu Merkmalen und Vorkommen stehen im Leitfaden Was ist der Fliegenpilz?

Fliegenpilz (Amanita muscaria)

  • Hut: Leuchtend rot bis orangerot, weiße Flocken
  • Vorkommen: Weit verbreitet in ganz Europa, Asien, Nordamerika
  • Hauptwirkstoffe: Ibotensäure und Muscimol (mittel)
  • Muscarin: Ja, in sehr geringen Mengen
  • Gefährlichkeit: Mittel – selten tödlich, aber ernste Vergiftungen möglich
  • Typisches Vergiftungsbild: Wechsel zwischen Agitation und Sedierung, Halluzinationen

Königsfliegenpilz (Amanita regalis)

  • Hut: Braun-golden, gelbliche Flocken – oft mit A. muscaria verwechselt
  • Vorkommen: Nordeuropa (Skandinavien, Alpen), selten
  • Hauptwirkstoffe: Ibotensäure und Muscimol – 2–3× höher als bei A. muscaria
  • Muscarin: Nein – reineres Muscimol-Profil
  • Gefährlichkeit: Hoch – stärker als Fliegenpilz
  • Besonderheit: Enthält kein Muscarin; das reinste Ibotensäure/Muscimol-Verhältnis der drei Arten

Pantherpilz (Amanita pantherina)

  • Hut: Braun mit weißen Flocken – ähnelt dem Perlpilz (A. rubescens)
  • Vorkommen: Europa, häufig
  • Hauptwirkstoffe: Ibotensäure (~300 mg/kg Frischgewicht), Muscimol – höheres Muscimol-Verhältnis als A. muscaria
  • Muscarin: Ja, geringe Mengen
  • Gefährlichkeit: Am höchsten der drei – schwerere klinische Verläufe
  • Typisches Vergiftungsbild: Häufiger Koma statt Agitation; medizinisch als kritischer eingestuft

Verwechslungsrisiken

  • A. muscaria ↔ Kaiserling (A. caesarea): Kaiserling hat orangegelben (nicht weißen) Hut und orangegelbe Lamellen – und ist essbar
  • A. pantherina ↔ Perlpilz (A. rubescens): Perlpilz rötet sich im Schnitt; Pantherpilz nicht – entscheidender Unterschied
  • A. regalis ↔ A. muscaria: Hutfarbe ist der auffälligste Unterschied – braun vs. rot

Fazit: Immer bestimmen lassen

Wer Pilze sammelt, sollte nie auf die eigene Bestimmung allein vertrauen. Im Zweifelsfall: Pilz stehen lassen, Foto machen und bei einer lokalen Mykologischen Gesellschaft oder einem erfahrenen Pilzberater nachfragen. Der Deutsche Pilzkundliche Gesellschaft (DPilzG) bietet Beratung und Bestimmungshilfe an. Worauf beim Suchen im Wald sonst noch zu achten ist, behandelt Fliegenpilz sammeln: Wann, wo und wie.


Bei Vergiftungsverdacht sofort Giftnotruf: 030 19240 oder Notruf 112.

Quellen

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